5 Tage - 5 Thesen:
Die Energiewende
in Deutschland - Teil 5

Heute lesen Sie hier den zweiten Teil von 5 Tage – 5 Thesen zum Thema Engergiewende in Deutschland:

Befragt haben wir hierzu Aiko Bernehed, dem Gründer des Unternehmens Hyperion Energy. Er ist Physiker und Informatiker und hat während seines Studiums eine solarthermische Anlage entwickelt. Mit seiner Firma wird er eigene Solarkraftwerke planen und bauen, die rund um die Uhr und während des gesamten Jahres grünen Strom zu wirtschaftlichen Preisen liefern. Dies ist jetzt seine fünfte und letzte These.

These 5

Der Versuch, mit der Energiewende die Marktmacht der großen Energieversorger zu brechen, hat wahrscheinlich die größten Verzögerungen hervorgerufen

Aus nicht nachvollziehbaren Gründen hat sich die Energiewende zu einer Liberalisierung und Dezentralisierung des Energiemarktes entwickelt, was ja eigentlich ein wirtschaftlich-politisches und kein umweltschonendes Ziel ist. Allerdings bedeutet dies, dass unsere Energieversorgung nun von mehreren tausend Eigenanlagenbetreibern und kommunalen Genossenschaften getragen wird. Das Problem dabei ist die gezielte Koordinierung der beteiligten Parteien und die Sicherung der Stromversorgung. Außerdem führt die Dezentralisierung der Energieversorgung zu einem gewaltigen Umbau der Energienetze, die auf die zentrale Erzeugung in Großkraftwerken und den dezentralen Konsum von Elektrizität ausgelegt sind. Wenn allerdings schon der Ausbau von 3.000 km Nord-Süd-Trassen scheitert, wie soll dann das komplette deutsche Stromnetz umgebaut werden?

Zusätzlich hat sich die deutsche Gesellschaft mit einem forcierten Marktwandel entgegen den Interessen der großen Stromkonzerne (E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW) in eine sehr angreifbare Lage gebracht. Dies zeigen die zahlreichen Klagen gegen Bund und Länder, welche teilweise Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe mit sich bringen.

Eine Zusammenarbeit mit den großen Versorgungsunternehmen hätte hier vermutlich zu einem viel besseren und schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien geführt. Beispielsweise ist das EEG auf eine maximale Anlagengröße von 5 MW beschränkt, sodass nur Kleinerzeuger und Eigenheimbesitzer von den Regelungen der Einspeisevergütung profitieren können. Man hätte übergangsweise die unterstützende Biomasseverbrennung in großen Kohlekraftwerken fördern können, was in Großkraftwerken in den USA zur Reduktion der CO2-Emissionen geführt hat. Der Betrieb von Gaskraftwerken mit Biogas wird auch nur bis zu einer sehr geringen Anlagengröße gefördert. Dies alles hat zur Folge, dass die großen Stromkonzerne sich aus ihrer wirtschaftlichen Lage heraus genötigt sehen, gegen die Energiewende vorzugehen. Doch sollte genau dies nicht das Ziel des EEG sein, sondern vielmehr sollte man versuchen, gerade die großen und erfahrenen Marktteilnehmer mit ins Boot zu holen. Nur wenn die Gesellschaft gemeinschaftlich an der Energiewende mitwirkt, kann diese auch gelingen.

 

Vielen Dank an Aiko Bernehed, der uns mit seinen Thesen sicherlich genügend Stoff zum Nachdenken gegeben hat.

Falls Sie in der Energiebranche tätig sind und Sie Ihr Unternehmen an die neue Marktsitation anpassen müssen, unterstützen wir Sie gern mit einem erfahrenen Interim Manager aus der Energiebranche. Treten Sie doch hier gern mit uns in Kontakt.