Aufbau einer leistungsfähigen Supply Chain Organisation in der Lebensmittelindustrie

Case Study

Ein traditionsreiches Familienunternehmen der Lebensmittelindustrie hatte eine neue Supply-Chain-Organisation geschaffen. Weniger als ein Jahr nach dem Start prägten jedoch permanentes Firefighting, geringe Planstabilität und fehlende Standards den Alltag.

Ein strukturierter Absatzplanungsprozess fehlte vollständig. Einkauf, Produktion, Logistik und Supply Chain arbeiteten mit unterschiedlichen Annahmen zu den künftigen Absatzmengen, während uneinheitliche Daten, unklare Verantwortlichkeiten und mangelhafte Stammdaten die Steuerung zusätzlich erschwerten.

Ohne Gegenmaßnahmen drohten Lieferprobleme, steigende Bestände und ein Scheitern der neu geschaffenen Supply-Chain-Organisation. Ziel des Mandats war es daher, die Organisation nachhaltig zu etablieren und die Grundlage für eine datenbasierte, vorausschauende Supply-Chain-Steuerung zu schaffen.

Unternehmensprofil

Branche und Marktumfeld

Das Unternehmen ist ein traditionsreicher Hersteller von Cerealien, Süßwaren und Schokoladenprodukten. Der Markt ist geprägt von schwankenden Bedarfen, hohen Anforderungen an Lieferfähigkeit sowie steigenden Erwartungen an Transparenz und Effizienz entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Unternehmensstruktur

Mit rund 500 Mitarbeitern und einer langjährigen Unternehmensgeschichte verfügt das Unternehmen über gewachsene Strukturen und eine starke Unternehmenskultur. Die Supply-Chain-Organisation war jedoch erst kurz zuvor neu geschaffen worden und befand sich noch in einer frühen Entwicklungsphase.

Ausgangssituation und Herausforderung

Ausgangssituation

Zum Projektstart war die neu geschaffene Supply-Chain-Organisation weniger als ein Jahr alt. Die tägliche Arbeit war stark von operativen Problemen und kurzfristigen Reaktionen geprägt. Eine vorausschauende Planung und Steuerung entlang der Wertschöpfungskette fand nur eingeschränkt statt.

Konkrete Herausforderungen

Die Analyse zeigte mehrere zentrale Handlungsfelder:

  • permanentes Firefighting im Tagesgeschäft
  • geringe Planstabilität
  • fehlende Absatzplanung als zentraler Steuerungsprozess
  • unklare Verantwortlichkeiten zwischen Entscheidern und Umsetzern
  • mangelnde Prozessstandards
  • unzureichende Stammdatenqualität
  • geringe Transparenz über Bestände, Kapazitäten und Bedarfe

Zusätzlich arbeiteten verschiedene Bereiche mit unterschiedlichen Datengrundlagen und Reports, wodurch eine einheitliche Sicht auf die Unternehmensplanung fehlte.

Der entscheidende Erkenntnismoment

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Analyse war, dass nahezu jeder Mitarbeiter entlang der Supply Chain eigene Annahmen über zukünftige Absatzmengen traf und daraus operative Entscheidungen ableitete.

Da keine verbindliche Absatzplanung existierte, wurde praktisch jeder Mitarbeiter zum eigenen „Absatzplaner“ – mit entsprechend hohen Risiken für die gesamte Wertschöpfungskette.

Zielsetzung des Interim Mandats

Strategische Ziele

Ziel des Mandats war es, die neue Supply-Chain-Organisation nachhaltig zu etablieren und von einer reaktiven Arbeitsweise zu einer strukturierten, datenbasierten Steuerung weiterzuentwickeln. 

Im Fokus standen:

  • Verbesserung der Lieferfähigkeit
  • Erhöhung der Planungsqualität
  • Aufbau transparenter Prozesse
  • Reduzierung von Ineffizienzen
  • Schaffung einer einheitlichen Datengrundlage

Operative Aufgabenstellung

Der Auftrag umfasste insbesondere:

  • Einführung eines professionellen Absatzplanungsprozesses
  • Aufbau standardisierter Planungs- und Steuerungsroutinen
  • Definition klarer Rollen und Verantwortlichkeiten
  • Verbesserung der Stammdatenqualität
  • Förderung der bereichsübergreifenden Zusammenarbeit
Transformation der operativen Steuerung

Maßnahmen und Vorgehensweise

Aufbau eines End-to-End-Verständnisses

Ein wesentlicher Schwerpunkt lag auf der Förderung einer abteilungsübergreifenden Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Statt isolierter Einzeloptimierungen wurde ein gemeinsames Verständnis für die Zusammenhänge zwischen Vertrieb, Planung, Einkauf, Produktion und Logistik geschaffen.

Einführung eines strukturierten Absatzplanungsprozesses

Als Grundlage für eine verlässliche Steuerung wurde erstmals ein standardisierter Absatzplanungsprozess aufgebaut.

Dieser umfasste:

  • klare Verantwortlichkeiten
  • definierte Meilensteine
  • KPI-basierte Steuerung
  • Roll-out über das gesamte Produktportfolio

Standardisierung der Supply-Chain-Prozesse

Zusätzlich wurden standardisierte Routinen eingeführt für:

  • Produktionsfeinplanung
  • Kapazitätsplanung
  • Bestandsplanung
  • Review- und Eskalationsprozesse

Ein standardisierter Wochenablaufplan sowie feste Regeltermine schufen die notwendige Struktur für eine nachhaltige Steuerung.

Datenqualität und Systemnutzung

Parallel dazu wurde das Bewusstsein für die Bedeutung qualitativ hochwertiger Stammdaten geschärft.

Ziel war die effizientere Nutzung des bestehenden ERP-Systems als Grundlage für zukünftige Digitalisierungs- und Automatisierungsinitiativen.

Grünes Häkchen in einem Kreis (Bestätigungssymbol)

Ergebnisse und erzielte Erfolge

Operative Verbesserungen

Bereits innerhalb weniger Monate konnten deutliche Fortschritte erzielt werden:

  • Einführung standardisierter Planungsprozesse
  • klare Rollen und Verantwortlichkeiten
  • strukturierte Entscheidungswege
  • verbesserte Transparenz über Kapazitäten und Bestände

Messbare Ergebnisse

Die neuen Prozesse führten zu unmittelbar sichtbaren Erfolgen:

  • Steigerung der Lieferquote auf 97 %
  • Überführung von 90 % des Gesamtvolumens in die neue Absatzplanung innerhalb von vier Monaten
  • Optimierung der Sicherheitsbestände wichtiger Schlüsselkunden
  • deutliche Reduzierung kurzfristiger Eskalationen

Kulturelle Veränderungen

Neben den operativen Erfolgen zeigte sich auch ein spürbarer Wandel in der Zusammenarbeit:

  • höhere Veränderungsbereitschaft
  • motivierte Teams
  • stärkere bereichsübergreifende Zusammenarbeit
  • wachsendes End-to-End-Denken innerhalb der Organisation

Nachhaltigkeit und strukturelle Verankerung

Dauerhaft etablierte Prozesse

Nach Abschluss des Mandats verbleiben mehrere zentrale Elemente dauerhaft in der Organisation:

  • standardisierter Absatzplanungsprozess
  • definierte Governance-Strukturen
  • Verantwortlichkeiten für Stammdaten
  • Regelwerke für Kapazitäts- und Bestandsplanung
  • wöchentliche und monatliche Review-Prozesse

Roadmap für die weitere Entwicklung

Zusätzlich wurde eine Roadmap für die Jahre 2026 bis 2027 entwickelt.

Diese bildet die Grundlage für:

  • weitere Optimierung der Lieferfähigkeit
  • Bestandsoptimierung
  • Digitalisierung der Supply Chain
  • zukünftige Advanced-Planning-Lösungen
Erfolgsfaktoren des Mandats

Gemeinsame Entwicklung statt Top-down-Ansatz

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war die gemeinsame Entwicklung der neuen Prozesse mit den betroffenen Fachbereichen.

Dadurch entstanden Akzeptanz, Identifikation und nachhaltige Verankerung.

Fokus auf Daten und Transparenz

Die konsequente Ausrichtung auf eine einheitliche Datengrundlage ermöglichte erstmals belastbare Entscheidungen auf Basis konsistenter Informationen.

Klare Roadmap und sichtbare Quick Wins

Früh erzielte Erfolge stärkten das Vertrauen in die Veränderung und schufen die notwendige Dynamik für die weitere Transformation.

Handlungsempfehlungen für ähnliche Unternehmen

Eine einheitliche Datenbasis schaffen

Nur eine gemeinsame Datenbasis ermöglicht konsistente Entscheidungen und eine wirksame Steuerung der Supply Chain.

Planung standardisieren und Verantwortlichkeiten klären

Klare Prozesse und Rollen reduzieren operative Reibungsverluste und schaffen Planungssicherheit.

Stammdatenqualität als strategisches Thema verstehen

Saubere Stammdaten sind die Grundlage für effiziente Prozesse, Digitalisierung und den erfolgreichen Einsatz moderner Planungssysteme.

Das Mandat zeigt eindrucksvoll, wie eine junge Supply-Chain-Organisation innerhalb kurzer Zeit von einer reaktiven Arbeitsweise zu einer strukturierten und datenbasierten Steuerung entwickelt werden kann.

Durch klare Prozesse, verbindliche Verantwortlichkeiten und eine starke bereichsübergreifende Zusammenarbeit wurde die Grundlage für eine langfristig leistungsfähige Supply Chain geschaffen.

Die Organisation verfügt heute über deutlich mehr Transparenz, höhere Planungssicherheit und eine stabile Basis für die weitere Transformation.

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